Ignoranz in Burg

Ignoranz in der JVA Burg

Im Mai 2014 gründete sich die Gefangenen-Gewerkschaft/Bundesweite Organisation (GG/BO) als eine selbstbestimmte gewerkschaftliche Vereinigung von Inhaftierten und deren Unterstützer_innen in der BRD.
Mittlerweile gibt es in ca. 40 bundesdeutschen Knästen etwa 400 Mitglieder. Dies ist ein beachtlicher Erfolg, betrachtet man die extrem beschnittenen kommunikativen Rahmenbedingungen in den Justizvollzugsanstalten sowie die fast flächendeckende Ablehnung und Unterdrückung der Arbeit dieser Gewerkschaft durch die jeweiligen Anstaltsverantwortlichen. Eigentlich ist das kein Wunder, profitieren doch die Anstaltsapparate und die extern mies entlohnte Arbeit anbietenden Firmen gleichzeitig recht üppig von der dort installierten Billiglohn-Zone.
Von den gewerkschaftlich organisierten Gefangenen drinnen und ihren Mitkämpfer_innen draußen wird nunmehr seit einem knappen Jahr versucht, diesen rentablen Vernutzungskreislauf zu durchbrechen. Es werden annähernd gerechte Alternativen in Sachen Entlohnung und Arbeitsbedingungen sowie Absicherungen im Alter und im Krankheitsfall gefordert. Für viele Lohnabhängige außerhalb der Knastmauern sind das noch (momentan) gängige elementare Rechte. Solche haben nach unserer Sicht auch für arbeitende Inhaftierte zu gelten!
Emanzipation, Solidarität und Selbstbehauptung sind die Basis der Arbeit unter den organisierten Gefangenen. Derartig positive Entwicklungen menschlichen Tuns in den Knästen lösen aber ganz offensichtlich größtenteils nur repressive Reflexe gegen die Gefangenengewerkschaft aus. Anhalten von gewerkschaftlichen Postsendungen, Verunsicherungen, Einschüchterungen oder aber auch völlige Ignoranz sind u. a. die spürbaren Einschnitte für Gewerkschaftsaktive drinnen. So auch im Fall des Sprechers der Gefangenengewerkschaft der JVA Burg Patrick R., mit welchem unsere Ortsgruppe seit ca. 4 Monaten solidarische Verbindung hält. Patrick kontaktierte den Leiter der Anstalt Herrn W. mehrere Male brieflich hinsichtlich gegenseitiger Bekanntmachung, Vorstellung der Gewerkschaftsarbeit, Ermöglichung zukünftiger Arbeits – und Kommunikationsmöglichkeiten etc.! Mindestens dreimal trat er an den Leiter heran allerdings nur mit dem Ergebnis dessen Schweigens und Aussitzens.
Wir, Genoss_Innen der Aktivengruppe der Rote Hilfe e.V. Halle/S., erklären uns prinzipiell solidarisch mit der Gefangenengewerkschaft und protestieren mit Nachdruck gegen das gesellschaftspolitische Ignorieren und Ausgrenzen von Patrick als anerkannten Sprecher der GG/BO in Burg. – „ Knäste sind seitens der Gefangenen keine gewerkschaftsfreie Zone mehr“ (zit. Oliver Rast). Und dass das auch so bleibt, ist unser (drinnen und draussen) Ziel!

Nachtrag: Die Briefzirkulation zwischen Patrick R. und unserer Ortsgruppe gestaltet sich teilweise sehr schleppend. Vielleicht wurde Patrick ja mittlerweile in den letzten Tagen schon ein Gespräch beim JVA-Leiter ermöglicht. Das wäre zumindest schon mal ein erster Schritt in Richtung eines respektvollen Umgangs miteinander! …Wir werden sehen.

Mehr Informationen zum Thema : www.gefangenen-gewerkschaft.de

Solidarische Grüsse,
Einige Aktive der OG Rote Hilfe Halle/S., 06.04.2015

Soliparty 10.4.15 Reil 78

Punkrock gegen Repression mit

Emboscada
Sad Neutrino Bitches
und Wonach wir suchen

Out of Action 15.3.15 14.00

Out of Action – Emotionale Erste Hilfe

3 – stündiger Workshop am 15.3.15 um 14.00 Radio Corax – Unterberg 11

Politische Aktivität geht oft mit dem Erleben gewalttätiger Situationen einher, die zu einem psychischen Trauma führen können. Dies ist kein privates Problem der Betroffenen, sondern eine Methode staatlicher Repression, der wir etwas entgegen setzen wollen.

In unserer Veranstaltung werden wir erzählen, wie es zu einem Trauma kommen kann, woran ein Trauma zu erkennen ist und Möglichkeiten im Umgang damit aufzeigen.

Activist trauma support

Politically active people sometimes experience violent situations that can lead to a psychological trauma. This shouldn’t be the private problem of an individual, but it is a method of governmental repression that we have to fight. To be able to recognize a trauma is the first step to do something against it. So in this workshop we will talk about the questions, what is a trauma, what are its symptoms and what are possibilities to deal with it.

Anmeldungen sind nicht nötig, der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten

Infos zur Repression am 15.1.15 in Leipzig

Der EA Leipzig informiert:

Wenige Tage nach dem Tod von Khaled kam es am 15.01.15 in Leipzig zu einer Spontandemonstration. Der 20jährige Khaled war in der Nacht vom 12. auf den 13.01.15 in Dresden tot aufgefunden worden. Trotz deutlicher Hinweise schlossen die Dresdner Cops zunächst ein Tötungsdelikt und eine rassistische Motivation aus.

Im Zusammenhang mit der Leipziger Sponti kesselten die Cops gegen 21:15 h in der Braustraße ca. 200 Menschen. Personalienfeststellungen, Durchsuchungen, Anfertigung von Fotos und Beschlagnahme von Handys bis in die frühen Morgenstunden waren die Folge. Anwohner*innen solidarisierten sich und brachten den Eingeschlossenen warme Decken und Getränke.
Gegen alle Eingekesselten läuft wahrscheinlich ein Ermittlungsverfahren wegen (schweren) Landfriedensbruchs. Bitte bewahrt einen kühlen Kopf!
Die Teilnahme an einer Spontandemo ist nicht strafbar. Für eine Verurteilung müsste euch eine konkrete Beteiligung an Straftaten nachgewiesen werden. Macht den Cops die Arbeit nicht leichter: Stellt keine Videos oder Bilder von der Sponti ins Internet! In den nächsten Wochen werdet ihr voraussichtlich eine Vorladung von den Cops erhalten. Geht nicht hin! Macht keine Aussage! Hieraus können euch keine negativen Folgen entstehen. Redet auch nicht in der Kneipe oder in den sozialen Netzwerken im Internet über die Sponti. Keine Gerüchte! Keine Spekulationen! Keine Held*innen-Stories!

Mit der Handy-Beschlagnahme wollen die Cops an Videos und Bilder von der Sponti kommen. Die Cops interessieren sich auch dafür, wer in den Adressbüchern steht, welche Verbindungen es in der linken Szene gibt, welche SMS am Tag der Sponti versendet wurden; evtl. gibt es eine Funkzellenabfrage.
Auch für die Menschen die auf der Demo waren, aber nicht gekesselt wurden, gilt: Weder die Sim-Karte noch das Gerät sollten in Zukunft weiter benutzt werden! Gleiches gilt für die beschlagnahmten Handys, da nicht auszuschließen ist, dass Spionage-Software aufgespielt wurde. Grundsätzlich: Ein Handy hat auf einer Demo nichts verloren! Keine*r fotografiert auf der Demo! Im Ernstfall ist es stets besser, sich rechtzeitig von Gerät und Karte zu trennen.

Ihr könnt euch auch mit den beschränkten Mitteln des bürgerlichen Rechtsstaats wehren: Gegen die Beschlagnahme könnt ihr Widerspruch einlegen und bei Gericht die Feststellung der Rechtswidrigkeit der polizeilichen Maßnahmen und die Herausgabe eures Handys beantragen. Es ist aber völlig unklar wann und wie über diese Anträge entschieden wird. Beachtet zudem, dass parallel die strafrechtlichen Ermittlungsverfahren gegen euch weiterlaufen.

Es gilt: Nichts überstürzen! Es läuft keine Frist! Der EA-Leipzig bereitet Musteranträge und eine Info-Veranstaltung vor. Informiert euch dringend dort! Der EA-Leipzig kann euch vertrauenswürdige Anwält*innen vermitteln. Kommt in unsere Sprechstunde.

EA Leipzig

Vortrag Gefangenengewerkschaft 20.12.14

In Kooperation mit der Fau Halle findet am 20. Dezember um 17 Uhr ein Vortrag zur Gefangenengewerkschaft im Infoladen Glimpflich im VL statt

Vorstellung der Gefangenen-Gewerkschaft – Für Volle Gewerkschaftsfreiheit auch hinter Gittern!

Im Mai dieses Jahres gründeten Gefangene in der JVA Tegel die Gefangenen-Gewerkschaft (GG). Dies ist ein wichtiger Schritt, denn bisher sind Inhaftierte von den bestehenden Gewerkschaften ausgeschlossen, da ihre Tätigkeit kein klassisches Arbeitsverhältnis, sondern ein „öffentlich-rechtliches Beschäftigunsgverhältnis eigener Art“ ist. Das bedeutet nichts anderes als Zwangsarbeit und Ausbeutung in den wachsenden gefängnisindustriellen Komplexen. Private Konzerne und staatliche Unternehmen fahren hier jährlich eine halbe Milliarde Euro Profit ein.

Gerade mal 10 Euro für acht Stunden Arbeit und Ausschluss von der Rentenversicherung sind Realität, die „Arbeitspflicht“ hebelt das Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes und das Streikrecht aus. Arbeitsrechtliche Standards bedeuten hinter Gittern nichts.

Das muss sich ändern!
Die zentralen Forderungen der GG sind daher Einführung des gesetzlichen Mindestlohns und Einbeziehung in die Rentenversicherung.

Die Reaktion der Staatsgewalt ließ nicht lange auf sich warten: die legitimen Forderungen der Gefangenen wurden mit Repression und Einschüchterungsversuchen beantwortet, Zellen wurden durchsucht und Gewerkschaftsunterlagen beschlagnahmt.

Über Organisation der GG, Repression im Knast und Möglichkeiten der Unterstützung von außen spricht GG-Sprecher Oliver Rast.

Gegen staatliche Repression und Solidarität mit dem gewerkschaftlichen Kampf hinter Gittern!

*Hier wurde erst behauptet der Vortrag würde um 18 Uhr beginnen, richtig ist, wie es auch auf den Flyern steht 17 Uhr*

20.12.2014
17.00 Uhr
VL-Infoladen Glimpflich
Ludwigstraße 37

Präsentiert von der Freien Arbeiter_innen Union Halle und der Roten Hilfe Halle